Dienstag, 30. Oktober 2012

Spätherbst im Bärnreith

Die große Rinderherde, die den Sommer über auf der Höß und den Huttererböden verbracht hat, genießt die Sonnentage vor dem langen Winter im Bärnreith.
Diese Rinderherde besteht zum Großteil aus den vor dem Aussterben bedrohten „Pustertaler Sprinzen“, die im Bärnreith eine Heimat gefunden haben. Der Name für diese Rasse entstand vermutlich deshab, weil sie mit vielen Flecken braun oder schwarz übersät sind, die wie „Spritzer“ aussehen.
In der K.u.K. Monarchie war diese Rasse sehr beliebt. Selbst der Kaiser, erzählt man, aß am liebsten Rindfleisch von den „Sprinzen“.
Durch die Zuchterfolge im Bärnreith wird ein bedeutender Beitrag zum Erhalt dieser Rasse geleistet. 






Auch ein Frettchen hat hier eine neue Heimat gefunden.


Samstag, 27. Oktober 2012

Renovierungen der Christusstatue in der Friedhofskapelle in Hinterstoder


In seiner Broschüre "Hinterstoder und seine Berge" von 1949 schrieb Robert Angerhofer über die Christusstatue in der Friedhofskapelle :
" Es ist leider nicht bekannt, welcher Meister dieses ganz großartige Kunstwerk geschaffen hat.
 In tiefer Stille trägt es die ewige Macht seiner Schönheit jenseits des lauten Lebens, das außerhalb der Mauern  des Friedhofes geräuschvoll dahinrollt."
Seit ca. 1970 wurde die wunderschöne Christusstatue mehrmals renoviert.


ca. 1975
Vor einiger Zeit erfuhr man durch die Presse, daß eine Pensionistin in  Spanien in gutem Glauben an ihre künstlerischen Fähigkeiten ein Christusbild in einer Kirche renoviert hatte. Ähnliches dürfte auch einmal unserer Christusstatue wiederfahren sein. Allerdings wurde das Aussehen bald wieder korrigiert.





2012

Samstag, 20. Oktober 2012

Die Kreidehöhle – oder früher Kreidelucke


Zur Entstehung der Kreidelucke, eine Sage aus Oberlehrer Josef Angerhofers Buch
„Das Stodertal“  3. Auflage 1906 - Originaltext - (z.B. Steyr schrieb man damals noch Steyer).

Vor  alters waren dem Teufel die Leute in Hinterstoder zu fromm, so dass es für ihn fast gar keine Seele zu holen gab. Er versuchte mit allen möglichen Mitteln die Leute zum Abfalle zu bringen, aber umsonst. Endlich beschloß er vor Wut schäumend, das ganze Tal samt den Bewohnern zu ersäufen. Er machte sich daran den kleinen Priel und den Steyersberg übereinander zu werfen, damit sich die Steyer staue und so Stoder ein See werde. Allein, dies wollte ihm trotz aller Anstrengungen nicht recht gelingen. Er brachte nur einzelne Felsblöcke los, die noch jetzt an der Steyer liegen. Der schwarze Schweiß floß ihm dabei wie Bäche vom Leibe herab, so dass der noch heute fließende Schwarzbach entstand. Endlich stampfte er vor Wut in den Felsen, so dass man seinen Tritt, den Teufeltritt, noch heute sieht und schließlich fuhr er mitten durch den Berg in die Hölle. Es entstand ein gewaltiges Loch: Die Kreidelucke. 


 
Die Kreidehöhle 2012
Die Vermessungen der Kreidehöhle vom Jahre 1949 ergaben folgendes Bild: Die Gesamtlänge aller Höhlenstrecken beträgt rund 1160m. Der Höhenunterschied der sogenannten Schichtfugenhöhle zwischen dem höchsten (51m über dem Eingang) und dem tiefsten (ca. 25m unter dem Höhleneingang) gelegenen Punkt beträgt 76m. Da zeitweise große Bereiche der Höhle unter Wasser stehen (Schneeschmelze), gibt es im Inneren kaum Lebewesen. Nur Brunnenkrebse, Tausendfüssler, Schnecken, Höhlenbuckelfliegen und einige andere kleine Tiere kann man finden. Die Temperatur liegt im Sommer wie im Winter bei 8,5 Grad Celsius. Im Eingangsbereich der Höhle findet man verschiedene Arten von Fledermäusen.
In den 1949/50er Jahren hat sich der Tambergauer Brunnenmacher Josef Fröhlich große Verdienste um die Erforschung der Kreidehöhle erworben. Ein Teil der der Höhle, die sogenannte „ Fröhlich-Kluft“, ist ihm zu Ehren benannt.


Dienstag, 16. Oktober 2012

Vom Mostpressen

„Unsern Wein nennt man Most“
hat schon der Dichter unserer oberösterreichischen Landeshymne,
Franz Stelzhammer, in seinem „Hoamatgsang“ geschrieben.








Samstag, 13. Oktober 2012

Vergessene Künstler


Karl Seuffert war von 1921 bis 1945 Schuldirektor in Hinterstoder. Mit seiner Gattin Cäzilia hatte er drei Kinder. Alberich, Adolf und Friederike. Sohn Adolf, der 1945 frühzeitig starb, war ein talentierter Maler.   Er hinterließ zwei Gemälde.

Der Narr

Hirten auf dem Weg zur Krippe

Samstag, 6. Oktober 2012

Dienstag, 2. Oktober 2012

Der Kunstfreund

Die berührenden Gedichte von Rainer Schlesinger, dem Volksschuldirektor aus Vorderstoder i.P., sind den meisten Stodertalern ein Begriff. Er versteht es wie nur wenige, die wesentlichen Dinge auf den Punkt zu bringen.
Das Gedicht "Der Kunstfreund" besteht aus zwei Teilen und ist eine Gegenüberstellung. Dazu sagt der Dichter:
Das Gedicht ist inhaltlich, stilistisch und in der Versform Eugen Roth nachempfunden. Ich bewundere seit jeher seine Kunst, menschliche Schwächen und Vorzüge in wohlgesetzten, heiter-ironischen Versen auf den Punkt zu bringen, ohne jemals grob oder gar verletzend zu werden.
                                                         
                                                              Erster Teil:

Ein Mensch hat – was es schon mal gibt –
sich in die Volkskunst jäh verliebt;
so hub, statt Zeit so zu vergammeln,
der Mensch denn an, solche zu sammeln.
Nunmehr gab’s für ihn kein Ruhen:
wohlan, es galt, bemalte Truhen,
Bauernschränke und auch –betten
vor dem Untergang zu retten!
Alte Töpfe, Teller, Krüge –
noch gab sie es zur Genüge –
sollte schleunigst man erwerben,
eh’ sie endeten als Scherben.
Was irgend aufzutreiben war
an Bildern, Uhren, Lampen gar,
an Schmuck und Kuriositäten,
an alpenländischen Geräten,
konnt’ der Mensch nach zähem Ringen
schließlich alles an sich bringen.
So häuft mit Müh’ und viel Geschick
in seinem Haus er Stück um Stück
der raren bäuerlichen Kunst –
sofern von Blitz und Feuersbrunst,
von blindwüt’gem Zerstörungswahn,
von des Holzwurms Nagezahn,
von künstlerischem Unverstand,
von putzwütiger Weiberhand,
von Schimmel und auch von den lieben
Schaben sie verschont geblieben.
Das stolze Haus im Lauf der Zeiten
vollgepfropft mit Kostbarkeiten
ward dennoch dieser Mensch nicht froh;
allenthalben fehlte wo
ein Teil zu der Vollkommenheit –
mitunter eine Kleinigkeit,
doch für den Menschen unergötzlich,
weil grade der Teil unersetzlich:
ein Scherben von der bemalten Vase,
von der Madonnenfigur die Nase,
das Gegenstück zur kostbaren Schüssel,
vom alten Schloss der alte Schlüssel
und noch vieles mehr dergleichen.
Der Mensch konnt’ leider nicht erreichen
die Vollendung allen Strebens
und Bemühen seines Lebens.
Er ist ziemlich unzufrieden
jäh aus dieser Welt geschieden.
Was er gesammelt bis zum Sterben,
verschacherten bald seine Erben.


                                                                        Zweiter Teil:

Ein andrer Mensch lebt, wie sich’s fügt,
in seinem Häuschen still vergnügt;
tut in der Stube – urgemütlich –
sich an seinem Pfeifchen gütlich –
ein schönes Erbstück, reich geschnitzt,
das er vom Großvater besitzt;
trinkt seinen Wein aus einem Kruge,
den anno achtzehnneun der kluge
Urururahn Vinzenz Pflanz
geschenkt bekam von Kaiser Franz.
An der Wand tickt ganz gemächlich
die alte Uhr, die noch tatsächlich
aus dem Schwarzwald stammt, und zwar,
weil auch von dort ein Ahne war.
Des Menschen Mobiliar ist schlicht,
manches ist alt und manches nicht:
in der Kammer – sauber, nett –
das wackelige Himmelbett,
in dem der Mensch einst ward geboren;
ein Lehnsessel, einer mit Ohren,
Tisch und Stuhl. Daneben macht sich
aus dem Jahre siebzehnachtzig
ein schön bemalter Kasten breit,
gebaut wie für die Ewigkeit.
Er bewahrt des Menschen Gut:
Jacke, Hosen, Hemden, Hut,
Andenken, Habseligkeiten
teils aus unbekannten Zeiten;
wohl auch, was der Mensch durch harte
Arbeit seinen Enkeln sparte.
Oft steht er vor seinem Schranke,
und manch friedlicher Gedanke
kommt dem Menschen in den Sinn.
Seine Hand streicht drüber hin
und er ist mit dem zufrieden,
was ihm sein kleines Glück beschieden.
Der Mensch hat nie daran gedacht,
wie kunstvoll dies und das gemacht;
nie sorgte sich die brave Seele,
dass da und dort vielleicht was fehle.
Schon gar nicht hat er je begehrt
zu kennen seiner Habe Wert,
weil der Mensch mit Geld nicht maß,
was an Werten er besaß.

Rainer Schlesinger, 1993