Samstag, 30. Januar 2016

Als der Schulunterricht in Innerstoder (Hinterstoder) begann.

Über den Schulunterricht vor 1774 gibt es nur ungenaue Angaben. Angeblich soll im Dietlgut davor schon zeitweise privat unterrichtet worden sein.
Der erste Lehrer in Innerstoder (damals hieß Hinterstoder noch Innerstoder), Adam Langeder, (geb. 1731, gest. 1806) war Schneider im Stift Spital/Pyhrn und wurde von dort 1774 zum Lehrer in Innerstoder ernannt. Unterrichtet wurde im "Häusl am Steinwandl", wie es damals hieß (heute Brunnenweg 1). Offensichtlich war der Lehrer ein äußerst gutmütiger Mensch, der manchmal die Kinder nicht bändigen konnte und sie ihm deshalb "über den Kopf" zu wachsen drohten. In solchen Fällen holte er seine energische Frau, die die Disziplin wieder herstellte.

1791 trat Adam Langeder zu Gunsten seines Sohnes Adam Langeder jun. (geb. 1770, gest. 1860) als Lehrer zurück. Der neue Lehrer hatte bereits eine Ausbildung von einem Monat. Der Lehrerberuf war so schlecht bezahlt, daß er um überleben zu können, weitere Einkommensquellen erschließen mußte. Er war deshalb auch Bergführer, Mesner, Schachtelmacher, Gemüsehändler und reparierte Uhren. Am 27.8.1819 führte er Erzherzog Ludwig mit Gefolge auf den Gipfel des Großen Priel. Es wurde erzählt, daß der Erzherzog gerne und stilvoll Kaffee trank. Deshalb mußte der Kammerdiener auch ein Kaffeeservice, in einer Kiste gut verpackt, mitnehmen. Als er auf dem Schneefeld ausrutschte und stürzte, erlitt er schmerzhafte Hautabschürfungen weil er das Kaffeegeschirr beim Sturz schützend in die Höhe hielt und sich deshalb nicht mit den Händen abstützen konnte.

In einem Gesuch an seine Majestät bat Adam Langeder um etliche Metzen Getreide aus dem Getreidekasten des Stiftes Spital als Teuerungszuschuß. Adam Langeder bezog, so die Begründung, nur ein monatliches Salär * von 9 fl 20 kr. Ein Metzen Korn kostete damals aber 13 fl. Eine Sammlung für den Lehrer von der Bevölkerung brachte nur 1 3/4 Metzen Korn und 2 Metzen Hafer ein. Die Einkünfte durch das Schulgeld waren sehr ungewiss. Oft mußte der Lehrer, wegen der Armut der Leute, überhaupt darauf verzichten. Der Mesnerdienst brachte auch kaum Geld. Er konnte mit Frau und acht unversorgten Kindern unmöglich davon leben.  

1836 legte Adam Langeder jun. die Schulmeisterei zu Gunsten seines Sohnes Josef Langeder nieder, der bereits eine zweijährige Lehrerausbildung hinter sich hatte.

*1 fl = 100 kr (1 Gulden = 100 Kreuzer) Ein Gulden entsprach damals der Kaufkraft von ca.10 €. 1 Metzen entsprach 75 Liter. 


"Häusl am Steinwandl" hier war der erste Schulunterricht

Großer Priel     Foto: G.J. Schachinger ca. 1910

Schule 1893 - ehemaliges Postamt gegenüber der Kirche



Kirche und Schule in den 1950er Jahren




Dienstag, 26. Januar 2016

Das Dienstbotenbuch - Arbeitsbestätigung für ein ganzes Leben

Jeder Knecht, jede Magd, jeder Beschäftigte, sei es in einem Sensenwerk, einem Sägewerk oder in der Landwirtschaft, musste ein Dienstbotenbuch vorweisen können. Diese Verordnung wurde von Zeit zu Zeit angepasst .
Der Erlass vom 1. März 1874 lautete:
Für das Erzherzogtum Österreich ob der Enns wird neuerlich eine Dienstbotenordnung erlassen. Dem Schulbesuch darf kein Abbruch geschehen. Kündigungsfristen werden festgelegt, an Sonn- und Feiertagen müssen die gewöhnlichen Arbeiten sowie jene, die ohne Gefahr nicht verschoben werden können, geleistet werden. Der einmalige Besuch des Gottesdienstes an Sonn- und Feiertagen muß gesichert sein, der bedungene Lohn muß zur bestimmten Zeit geleistet werden, die Kost muß gesund und ausreichend sein.
Entlassungsbestimmungen bzw. Bestimmungen über den berechtigten vorzeitigen Austritt werden erlassen, entscheidend ist jedoch nach wie vor der Wille des Dienstgebers.





















Das Buch hat noch 10 Seiten 

Samstag, 23. Januar 2016

Über die Arbeit in der Landwirtschaft


Wer im  Stodertal in der Landwirtschaft arbeitet muß mit vielen Arbeitsweisen vertraut sein. Von vielen Berufen müssen zumindest Kenntnisse vorhanden sein um eine Landwirtschaft erfolgreich zu führen. 

Diese Bilder von der "Oberklamm" zeigen zwar nur einen kleinen Teil der Arbeiten, lassen aber erahnen wie vielfältig sie sind.

Schafzucht



Schnaps brennen





Brennholz für den Winter

Holztrog aushacken            4 Fotos: Rainer Remsing




Holzknechtnocken z.B. für den Adventmarkt zubereiten
   

Dienstag, 19. Januar 2016

Über den ersten Autounfall im Bezirk Kirchdorf

In ihrem Buch "Gebrannte Siena" von Luise Rubner, in dem sie aus ihrem Leben zwischen den beiden Weltkriegen in Windischgarsten erzählt, berichtet sie über den ersten Autounfall im Bezirk Kirchdorf.
Hier Auszüge aus dem Bericht:" Eines Tages kam mein Vater, mit seinem Pferdefuhrwerk, von einer Fahrt ganz verstört  nach Hause. Es war der 24. Jänner 1925, als er erzählte, daß sich ein Auto beim Gasthof Grundner (auf der Staße von Windischgarsten nach Spital) in der Nacht überschlug und drei Tote auf der Strecke blieben. Eine Schneeverwehung hatte die Straßenbegrenzung nicht erkennen lassen. Die Verunglückten waren der Brotfabrikant Josef Reder aus Garsten bei Steyr, der Förster a. D. Viktor Reder aus Ternberg und Hans Seyfried, ein Beamter aus Ebelsberg bei Linz. Vater meinte daheim, da muß ja was passieren, wenn sie mit 40 Stundenkilometer über die Straße rasen. Das Auto hatte noch Holzfelgen. An der Unfallstelle  wurde eine Gedächtnisstätte errichtet, die es heute noch gibt, Es war der erste Autounfall im ganzen Bezirk".
"Seit damals betrachtete mein Vater jedes der wenigen Autos, die sich erst allmählich mehrten und die bei uns vorbeifahren mußten, mit scheelen Augen.
Wenn er am Samstagnachmittag auf der Bank vor dem Haus saß, an dem jedes Fuhrwek, jeder Radfahrer und jedes Auto vorbei mußte, ob in das Stodertal oder in Richtung Kirchdorf, zählte er alle Autos. Wenn er nach mehreren Stunden Beobachtung 5 Autos gezählt hatte, war er sehr entsetzt. Wohin wird das mit den vielen Autos noch führen, war sein Kommentar."

Der Vater von Frau Rubner mit seinem Pferdefuhrwerk

Gedenkstätte neben dem Gasthof Grundner




Samstag, 16. Januar 2016

Stodertaler Bauwerken auf der Spur

Was haben das Dietlgut, die leider abgebrannte Peham-Villa und die alte Turnhalle von Hinterstoder mit dem ersten Hochhaus von Wien im 1. Bezirk, in der Herrengasse 6-8 und der alten Wiener Reichsbrücke gemeinsam?
Alle diese Bauten und natürlich noch viel, viel mehr wurden von den in einer Arbeitsgemeinschaft in Wien arbeitenden, renommierten Architekten Siegfried Theiss (geb. 1888, gest. 1963) und Hans Jaksch (geb. 1879, gest. 1970) geplant. Vermutlich verbrachte einst einer der Architekten den Urlaub in Hinterstoder und erhielt dabei den Auftrag zur Planung dieser Gebäude.

Hans Jaksch

Siegfried Theiss

Dietlgut erbaut 1925/26


Die alte Turnhalle, jetzt Feuerwehrdepot (fertig gestellt 1930)


Peham-Villa erbaut 1924 (abgebrannt am 7.9.2015)


Über das Hochhaus (1932 fertiggestellt)  gibt es ein Buch.
Viele Prominente wohnten oder wohnen dort  (siehe Liste oben).


Die alte Reichsbrücke in Wien (am 1. August 1976 eingestürzt)

Ersttagsstempel der Post am 10.10.1937
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